Nachdem am 27.03. bereits in Aschaffenburg eine Kundgebung von den ultranationalistischen und faschistischen türkischen  Grauen Wölfe und AKP-Nahestehenden stattgefunden hatte, demonstrierten am 01.04. etwa 50 Menschen – auffallend viele davon minderjährig – mit einer Vielzahl von türkischen Flaggen in Würzburg am unteren Markt ebenfalls für „Frieden“.

Die Veranstaltung war gegen PKK und Daesh gerichtet; diese wurden – wie man es auch von türkischer Regierungsseite schon seit letztem Jahr kennt – beide als terroristisch bezeichnet und gleichgesetzt. Den Grauen Wölfen wird Terrorismus und politische Morde vorgeworfen; sie kämpfen für einen Zusammenschluss aller turksprachigen Länder unter türkischer Herrschaft.

Das Bündnis „Würzburg lebt Respekt – kein Platz für Rassismus“ rief als Reaktion auf die angekündigte Kundgebung zu einer Gegendemonstration, zu der um die 40 Teilnehmenden kamen. Die antifaschistischen Gegendemonstrant*innen drückten mit Parolen ihre Solidarität mit den Kurd*innen aus und zogen Parallelen zwischen dem Völkermord an den Armeniern, von deutscher Seite immer noch nicht als solcher anerkannt, und Erdoğans Vorgehen gegen Kurdistan.

Auf der Gegenseite wurde auch nicht vor antiisraelischer und antisemitischer Hetze Halt gemacht, so waren Sprüche wie „Merkel finanziert, Israel bombardiert!“ zu hören. Mehrmals war der  faschistische „Wolfsgruß“, ein Erkennungszeichen der Grauen Wölfe, zu sehen.

Trotz der Eindeutigkeit der Situation zog die Polizei – wie es auch in Aschaffenburg und andernorts sich bereits ereignet hatte – es vor, die Gegendemonstrant*innen grundlos anzugreifen. Hetze gegen Israel und faschistische Grußformeln zu unterbinden schien den Polizist*innen hingen nicht in den Sinn zu kommen. Zu Beginn der Kundgebung hatte die Polizei für die Turkfaschist*innen aus Hamburger Gittern bereits eine Art Gehege geschaffen, um die zwei Lager auseinanderzuhalten. Verblüffenderweise wurde ein Gegendemonstrant, der mit einem nicht verbotenem Plakat, das das Ende der Einstufung der PKK als Terrororganisation seitens der EU forderte, aggressiv und rabiat angegangen, verhaftet und 45 Minuten festgehalten.

Nein zu jeglicher Form von Faschismus

Dass die pantürkischen Ultranationalist*innen bei ihren Veranstaltungen von „Friedensdemonstrationen“ sprechen und sich als Gegner des „Terrors“ sehen, kann wohl nur als Aprilscherz verstanden werden, der sehr taktlos erscheint angesichts des türkischen Krieges gegen die Kurd*innen. Mit Sorge ist zu beobachten, dass Medien, Polizei und Gesellschaft die antifaschistischen und kurdischen Gegendemonstrant*innen als Aggressoren darstellen, während Graue Wölfe und Co trotz faschistischer Parolen und verbaler sowie physischer Übergriffe als Opfer gesehen werden. Diese falsche Darstellung der Ereignisse trifft sowohl für Aschaffenburg als auch für Würzburg und viele andere Orte zu. Graue Wölfe und verschiedene AKP-nahe Verbände sind eine Gefahr für die Demokratie und dürfen nicht verharmlost werden. Fakt ist, die PKK ist die Miliz, welche am härtesten Daesh bekämpft und ohne die noch viel mehr Zivilist*innen – besonders Jesid*innen – von den Islamisten versklavt beziehungsweise ermordet worden wären. Die Regierung Erdoğan hat im Gegensatz dazu lange Daesh unterstützt und geht weiterhin nur halbherzig gegen die religiösen Fundamentalist*innen vor. Des Weiteren ist bekannt, dass manche Mitglieder der Grauen Wölfe in Deutschland sich später Daesh anschlossen. In einem Rechtsstaat gehören faschistische Mörderbanden und nicht antifaschistische Gruppierungen auf die Terrorliste.