Nach dem islamistischen Anschlag in einem Regionalzug im Würzburger Stadtteil Heidingsfeld gab es am Wochenende danach zwei rassistische Kundgebungen in Würzburg. Zunächst wollte die NPD den Anschlag für ihre Hetze benutzen und rief für den 23. Juli zu einer „Mahnmache“ vor der Stadtteilbücherei in Heidingsfeld auf, zu der allerdings lediglich 15 Nazis erschienen, darunter mehrere bekannte rechte Aktivist*innen wie Sigrid Schüssler von der NPD oder Dan Eising von der Partei „Die Rechte“. Die Hassveranstaltung fand in einem von der Polizei eingezäunten Areal statt. Im Vorfeld hatten mehrere Organisationen – darunter auch die GRÜNE JUGEND Würzburg – zum Protest aufgerufen. Insgesamt folgten etwa 400 Menschen den Aufrufen und versammelten sich hinter den Absperrungen, um lautstark gegen die Nazi-Kundgebung zu protestieren. Darunter waren unter anderem die GRÜNE JUGEND Würzburg, die Jusos Würzburg, Oberbürgermeister a.D. Georg Rosenthal und viele andere Bürger*innen und antifaschistische Aktivist*innen aus ganz Unterfranken.

Lautstarker Gegenprotest

Dem volksverhetzenden Transparent „Deutsche Opfer – fremde Täter!“ wurde zum Beispiel mit einem „Refugees welcome“-Transparent Contra gegeben. Durch ihre Parolen – wie etwa „Nazis ‚raus!“, „Haut ab!“, „Halt die Fresse!“, „Nazis morden, der Staat macht mit; der NSU war nicht zu dritt!“ – und ihre Trillerpfeifen sorgten die antifaschistischen Protestierenden dafür, dass Musik und Reden der Nazis trotz Mikrofon und Anlage nicht zu verstehen waren.

 

Auch die AfD organisiert eine braune Propagandaveranstaltung

Einen Tag später trat dann die AfD in Würzburg auf den Plan, um ihre rassistische Sicht der Dinge darzulegen. Die Kundgebung fand am Unteren Markt in der Würzburger Innenstadt statt. Auch hier hatte die Polizei schon im Vorfeld ein Areal mit Gittern weiträumig abgesperrt, in dem sich ca. 60 AfD-Anhänger*innen einfanden; darunter befanden sich zeitweise auch Dan Eising und Monique Schober vom faschistischen Bündnis „Franken wehrt sich“. Rund um die Gitter postierten sich wiederum die Gegendemonstrant*innen, diesmal mit ca. 300 etwas weniger als am Vortag. Doch auch diese Gegendemo war laut; von den Reden der AfD konnte man außerhalb des Käfigs kein Wort verstehen. Die GRÜNE JUGEND Würzburg zeigte auch hier ebenso wie andere auch viele andere politische Gruppierungen Würzburgs mit mehreren Mitgliedern Präsenz und protestierte lautstark gegen Lügen von Petr Bystron und anderen faschistischen Redner*innen. Bystron selbst soll laut „Main-Post“ seinen politischen Gegnern für den Fall einer Machtübernahme der AfD gedroht haben: „Dann gnade euch Gott“. Auch die anderen Redner*innen der AfD hielten sich mit ihrer rassistischen Hetze nicht zurück.

Schikane durch die Polizei

Leider muss von unserer Seite für Sonntag wieder das Verhalten der Polizei beanstandet werden, denn zwei Protestierende – darunter ein Mitglied der GRÜNEN JUGEND Würzburg – wurden auf dem Weg zum Unteren Markt grundlos aufgehalten und kontrolliert. Es dauerte dabei eine längere Zeit, bevor die Polizei sie wieder gehen ließ; zudem wollte die Polizei bei der Kontrolle das Megafon der GRÜNEN JUGEND Würzburg beschlagnahmen. Aus unserer Sicht stellt dies eine massive Erschwerung des friedlichen Gegenprotestes dar. Die Beschlagnahmung konnte letztlich nur abgewendet werden, weil das Megafon von einer dritten Person aus dem Bereich der Demonstration gebracht wurde. Insgesamt ist es erschreckend zu sehen, dass die Polizei hier wiederum vollständig friedliche Gegendemonstrant*innen massiv schikaniert und den friedlichen Protest behindert, potentielle Volksverhetzung auf der AfD-Demo aber unbehelligt geschehen lässt.

 

 

Aus verbaler wird physische Gewalt

Die erschreckende „Krönung“ des braunen Spektakels kam nach Ende der eigentlichen Veranstaltung, als ein Teilnehmer der Kundgebung der „Alternative für Deutschland“ eine dunkelhäutige Gegendemonstrantin angriff und ihr ins Gesicht schlug. Der Angriff war dabei so schwerwiegend, dass ein Krankenwagen zur Behandlung gerufen werden musste. Die Polizei nahm daraufhin die Personalien des Täters auf. Die GRÜNE JUGEND Würzburg verurteilt diesen offensichtlich aus rassistischen Motiven erfolgten gewalttätigen Angriff und fordert, dass die Ermittlungsbehörden den Täter konsequent zur Rechenschaft ziehen werden.

Fazit: Dem Faschismus erfolgreich die Stirn geboten

In Würzburg hat sich dieses Wochenende deutlich gezeigt, dass die Bevölkerung die Stadt und Region gegen braune Hassprediger*innen erfolgreich zu verteidigen weiß. Dies kann in jedem Fall als Erfolg gewertet werden. Für die Faschist*innen ist Würzburg kein gutes Pflaster. Wir möchten an dieser Stelle auch noch einmal allen Gegendemonstrant*innen danken!

Dennoch ist es schwierig ein positives Résumé zu ziehen aufgrund des rassistischen Angriffs, der sich trotz massenhaft anwesender Zeug*innen und Polizei ereignete. Faschist*innen gehen immer offener mit ihrem Hass um und scheuen anscheinend nicht einmal vor Körperverletzung zurück, wenn die Polizei daneben stehen. Ebenso zeigen die Aussagen von AfD-Politiker Poggenburg zum Münchner Amoklauf sehr stark, dass die „Alternative für Deutschland“ eine Gefahr für die Demokratie ist und auch vor der widerlichsten Propaganda nicht zurückschreckt.

Hier könnt ihr euch noch mal durch eine Bildergalerie von beiden Demos klicken: