Am 25.10. werden wir gegen die sogenannte „Germanenfete“ der Burschenschaft Germania demonstrieren. Los geht es um 20 Uhr am oberen Markt, die Abschlusskundgebung wird direkt vor dem Haus der Burschenschaft sein, wo ab 21 Uhr die Party beginnt. Hier ist unser Aufruf:

 

Wie jedes Semester wird auch in diesem Oktober wieder die sogenannte „Germanenfete“ der Burschenschaft Germania in Würzburg stattfinden. Dabei handelt es sich um eine unter Würzburger Studierenden äußerst beliebte, „unpolitisch“ angelegte Party, die allerdings seit Jahren auch als eine der zentralen Partys der Würzburger Burschenschaftsszene fungiert. Während sich viele Verbindungen in Würzburg unpolitisch geben und größtenteils auch nicht ins politische „Tagesgeschäft“ eingreifen, haben sich verschiedene Würzburger Burschenschaften und deren Mitglieder in den letzten Monaten mit Aktionen hervorgetan, die klar werden lassen, welche politischen Überzeugungen Burschenschaften und ihre Mitglieder zumeist vertreten: Nationalismus, Rassismus und Sexismus.

Burschenschaft Germania beherbergt die „Identitäre Bewegung“

Schon während der Wügida-Demonstrationen zwischen Dezember 2014 und Oktober 2015 stammte ein beträchtlicher Teil der Demonstrierenden aus der Würzburger Burschenschaftsszene. Ebenfalls präsent sind Burschenschafter bei der AfD und ihrer Jugendorganisation sowie der nicht minder gefährlichen, neo-faschistischen „Identitären Bewegung“; letztere fiel in Würzburg unangenehm auf, als einige ihrer Aktivisten im April eine Veranstaltung der GRÜNEN mit Cem Özdemir stürmten. 
Anmerkung: Die Germania hat in einer Stellungnahme dementiert, dass die IB sich jemals bei der Germania traf. Es ist jedoch nachgewiesenermaßen so, dass die Identitäre Bewegung Personen zu einem ihrer Treffen ins Germanenhaus eingeladen hat. Hierfür gibt es Beweise, die wir jedoch aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht veröffentlichen werden. Ob hier ein „Missverständnis“ zwischen IB und Germania vorliegt oder ob die Germania lügt, wissen wir nicht. Das mag jede*r für sich selbst entscheiden.
Dass die Würzburger Burschenschaftsszene gut mit Rechtsextremist*innen vernetzt ist und auch nicht vor Gewalttätigkeiten zurückschreckt, zeigt auch ein Vorfall im Juli 2016. Dabei wollte eine Gruppe Antirassist*innen gegen eine Veranstaltung der Burschenschaft Teutonia Prag zu Würzburg protestieren. Anlass dazu gab es genug, denn die Burschenschaft hatte mit Reimond Hoffmann einen Rechtsaußen-Vertreter der AfD zu einem Vortrag eingeladen. Kurz vor dem Protest wurden die Antirassist*innen von zwei Burschenschaftern gewalttätig angegriffen; einem Mitglied der GRÜNEN JUGEND Würzburg wurde dabei zweimal ins Gesicht geschlagen. Auch die Burschenschaft Germania, in deren Räumlichkeiten die Germanenfete stattfinden wird, ist nicht weniger problematisch

Auch die Germania ist hoch problematisch

Die Burschenschaft Germania ist eine pflichtschlagende Verbindung. Mitglieder dürfen, wie in fast allen Verbindungen, nur Männer werden. Allgemein sind Burschenschaften sehr patriarchalische Vereinigungen. Frauen werden als eine Art Accessoire angesehen und es wird ein konservatives Familienbild propagiert. Ebenfalls vertreten Germania und andere Burschenschaften in Würzburg nationalistische Positionen. Zwar versucht die Germania, sich auf ihrer Internetseite von Rechtsextremismus zu distanzieren. Wie unwichtig diese Abgrenzung dann allerdings in der Praxis zu sein scheint, zeigt schon die Tatsache, dass auf einer der letzten Germanenfeten mit Simon Kaupert, dem Gründer von Wügida, einer der führenden Köpfe der sogenannten „Neuen Rechten“ geduldet wurde sowie die oben schon erwähnte Beherbergung der Identitären. Wer solche Faschist*innen in den eigenen Räumen einquartiert, unterstützt Rechtsextremismus! Auch kam es in der Vergangenheit auf den Germanenfeten schon zu rassistischen Übergriffen durch Burschenschafter. 

Burschenschaften als Scharnier zwischen Bürgerlichen und Faschist*innen

Generell kann festgehalten werden, dass die Burschenschaftsszene in letzter Zeit immer mehr eine Scharnierfunktion zwischen konservativem Bürger*innentum, der intellektuellen „Neuen Rechten“ und rechtsgerichteten Parteien wie der AfD eingenommen hat. Durch die Germanenfete wird versucht, dem Konstrukt aus Nationalismus, Sexismus und Rassismus einen unpolitischen Anstrich zu geben. Vor allem Studierende im ersten oder zweiten Semester gehören zur Zielgruppe der Germanenfete, um sich diesen als besonders jung und hip/weltoffen zu präsentieren. Dass Burschenschaften allerdings in einem sehr viel umfassenderen Kontext betrachtet werden müssen, ist vielen dabei nicht bewusst. Die alljährliche Feier der Germania zu Würzburg reiht sich längst neben andere große Feierlichkeiten ein und gilt unter Studierenden mittlerweile als feste Größe. Doch das Private ist längst politisch! Wer scheinbar unpolitisch auf einem Gelände Party macht, auf dem sonst völkisches, sexistisches und rassistisches Gedankengut verbreitet wird, ebnet dem zunehmenden Hass auf Geflüchtete und Antifaschist*innen den Weg.

Deswegen: Demonstriert mit uns gegen die Germanenfete!

Wir als GRÜNE JUGEND Würzburg wollen und können das nicht länger hinnehmen! Wir rufen deswegen zu unserer Demonstration „Keine rechten Umtriebe unter unpolitischem Party-Deckmantel“ auf! Wir starten am 25.10., dem Tag der Germanenfete, um 20 Uhr am Oberen Markt. Unser Demonstrationszug wird uns direkt vor das Haus der Burschenschaft in der Nikolausstraße führen. Kommt vorbei und demonstriert mit uns gegen menschenverachtende Einstellungen und ihre Verbreitung!