Heute Nachmittag, am 25. Oktober, verließ nach einer offenen Diskriminierung der Großteil der Studierenden einvernehmlich den Vorlesungssaal. Prof. Dr. Gisela Müller-Brandeck-Bocquet, Inhaberin der Professur für Europaforschung und Internationale Beziehungen sowie geschäftsführender Vorstand des Instituts für Politikwissenschaft und Soziologie an der Universität Würzburg, attackierte in der Einführungsveranstaltung zum Basismodul „Internationale Beziehungen“ eine Studentin aufgrund ihres Kopftuches.

Statt die Inhalte ihrer Vorlesung zu präsentieren, debattierte die Professorin über die Respektlosigkeit jeglicher Art von Kopfbedeckung in Vorlesungssälen und zeigte dabei auf eine einzelne Studentin, die aufgrund ihrer Religion ihre Kopfbedeckung nicht entfernen wollte. Dabei ist Müller-Brandeck-Bocquet der Meinung, dass selbst Kopftücher, die aus religiösen Gründen getragen werden, respektlos seien und vom Inhalt der Vorlesung ablenken.

Selbst als mehrere Studierende sie auf die Religionsfreiheit verwiesen, wiederholte sie, dass eine solche in der Gesellschaft herrschen kann, aber nicht in der Wissenschaft. Laut Müller-Brandeck-Bocquet werde ihre Vorlesung in einem säkularen Raum praktiziert, in dem die Religion nicht hineingehöre.

Magdalena Bachinger, Beisitzerin im Vorstand der GRÜNEN JUGEND Würzburg, erklärt dazu:

„Wir empfinden das Verhalten der Professorin als öffentliche Demütigung. Das Kopftuch ist Teil einer individuellen Religionsausübung. Dieses zu verbieten ist diskriminierend, abwertend und verstößt sowohl gegen die in Deutschland festgelegte Religionsfreiheit, das Grundgesetz als auch das Selbstbestimmungsrecht von Frauen. Respektlos und ablenkend ist die Unterbrechung einer Vorlesung, um diese Rechte zu unterbinden. Die Aufforderung, das Kopftuch während der Vorlesung abzunehmen ist an einer öffentlichen Einrichtung, die tolerant, weltoffen und diskriminierungsfrei sein sollte, nicht tragbar.“

Milena Merkel, Sprecherin der GRÜNEN JUGEND Würzburg, führt fort:

„Ein derartiges Verhalten von Personen in herausragenden Positionen ist nicht akzeptabel und kann weitreichende Folgen haben. Professor*innen und Wissenschaftler*innen haben eine Vorbildfunktion und sollten diese nicht ausnutzen – auch ihr Verhalten unterliegt Gesetzen und gesellschaftlichen Normen wie Respekt und Toleranz. Andernfalls wird Diskriminierung und Intoleranz weiterhin reproduziert und dadurch gesellschaftsfähig gemacht. Wir freuen uns daher umso mehr über die Solidarität und den Mut der Studierenden, ein Zeichen zu setzen und ein solches Verhalten nicht zu tolerieren.“