Das Deutsche Rote Kreuz hat vor kurzem – angesichts der Coronakrise – vor einem akuten Mangel an Blutkonserven gewarnt und die Bevölkerung dazu aufgerufen, Blut spenden zu gehen. Trotzdem werden immer noch einige Bevölkerungsgruppen mehr oder weniger kategorisch von der Spende ausgeschlossen.

In Deutschland können seit 2017 Männer, die mit Männern Geschlechtsverkehr haben und „Transsexuelle Personen mit sexuellem Risikoverhalten“ (kopiert aus dem Musterfragebogen des BRK) Blut spenden – aber nur, wenn sie seit einem Jahr keinen derartigen Geschlechtsverkehr hatten (festgelegt in der Hämotherapierichtlinie).

Man könnte dies als Fortschritt zur vorherigen Regelung sehen, die eine Spende der gerade genannten Gruppen komplett ausschloss. De facto hat sich durch diese Regelung aber nicht viel geändert. Bei Betroffenen entsteht immer noch der Eindruck, dass ihre sexuelle Orientierung ihr Blut verschmutzt oder unbrauchbar macht. Es ist eindeutig diskriminierend, Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung pauschal zu unterstellen, sich nicht vor STDs zu schützen.

Vor einer Spende ein Jahr lang keinen Geschlechtsverkehr zu haben halten wir weder für realistisch noch für eine wissenschaftlich fundierte Regelung. Sexuell übertragbare Krankheiten (STDs) wie HIV/AIDS sind nach 6 Wochen praktisch fehlerfrei nachweisbar. Zudem bietet die Verwendung eines Kondoms einen hohen Schutz vor der Ansteckung mit STDs. Unserer Meinung nach ist eine Frage nach der sexuellen Orientierung weit weniger aussagekräftig als eine nach dem tatsächlichen Risikoverhalten – eine Frage nach ungeschütztem, auch heterosexuellen Verkehr findet sich im aktuellen Fragebogen leider nicht. Zusätzlich zählen aber Menschen zur Risikogruppe, die sexuellen Kontakt zu mehr als 3 Personen in den letzten 12 Monaten hatten. Dies diskriminiert polyamore Menschen, die häufig mit mehr als einer Person in festen Partnerschaften leben. Auch sie sind durch diese Regelung faktisch vom Blutspenden ausgeschlossen.

Unserer Meinung nach fordert die aktuelle Situation mehr denn je solidarisches Verhalten. Dazu gehört, dass gesunde Menschen Blut spenden. Dass trotzdem eine große Gruppe geeigneter, gesunder Menschen von der Spende faktisch ausgeschlossen wird, ist inakzeptabel. Gerade angesichts der Tatsache, dass wir zu wenige Spender*innen in Deutschland haben, ist die momentane Regelung auch medizinisch nicht zu vertreten..

Wir fordern eine schnelle und schon lange überfällige Überarbeitung der Blutspenderegelungen. Dies bedeutet nicht, dass wir gegen einen Schutz der Empfänger*innen sind. Um diesen zu gewährleisten, würde aber eine Verkürzung der Ausschluss-Zeitspanne von einem Jahr auf sechs Wochen ausreichen. Eine andere Option bietet ein Modell ähnlich dem in Israel bestehenden. Dort wird das gespendete Blut vier Monate eingefroren. Nach diesem Zeitraum wird die spendende Person erneut auf Krankheiten getestet und – wenn die Person gesund ist – das Blut danach freigegeben.