Wie das jüngste Beispiel aus Giebelstadt zeigt, sind unsere Mischwasser-Kanalsysteme stark überarbeitungswürdig. Ein halber Tag Regen reicht dafür aus, dass Abwasser aus dem Überlaufbecken der Kanalisation ungefiltert in die lokalen Flüsse geleitet wird. Wie im Mainpostartikel vom 25. Mai „Wie schmutzig ist der Dammbach wirklich?“ klar geschildert und bebildert wird, gelangen dabei große Teile des Abwassers in den Dammbach. Man sieht Toilettenpapierstücke am Bachufer und muss davon ausgehen, dass auch sonst einiges über diesen Weg in unsere öffentlichen Gewässer gelangt. Auch in Würzburg ist dies mit Main und der Pleichach nicht unüblich – dadurch kam es in der Pleichach schon mehrfach zu Fischsterben.

Samuel Kuhn, Sprecher der GJ Würzburg äußert sich dazu folgendermaßen: „Dass das Wasserwirtschaftsamt und die Gemeinde Giebelstadt keinen Handlungsbedarf sehen, ist völlig unverantwortlich. Selbst wenn die gesetzlichen Verschmutzungsgrenzen eingehalten worden sind, stellt es eine erhebliche Gesundheitsgefahr dar, Fäkalien in Bäche zu leiten. Durch die Ignoranz der Gemeinde Giebelstadt wird die Natur massiv geschädigt.“

Im Darm vorkommende E-Coli-Bakterien können zum Teil sehr ernste Durchfallerkrankungen hervorrufen. Die Verteilung von Medikamentenresten ist gesundheitlich sehr bedenklich – Antibiotikareste zum Beispiel können die Entstehung von multiresistenten Keimen begünstigen. Im Abwasser finden sich häufig Rückstände synthetischer und natürlicher Hormone, v.a. von Östrogenen aus Kontrazeptiva. Dennoch behauptet die Marktgemeinde Giebelstadt, „das Wohl der Allgemeinheit zu keinem Zeitpunkt gefährdet“ zu haben. Neben Keimen und Medikamenten haben auch Wasch- und Spülmittel, Haargele sowie andere chemische Substanzen in Bächen nichts verloren.

„Die Gemeinde Giebelstadt muss endlich ihrer Verantwortung gegenüber der Umwelt nachkommen und dafür sorgen, dass aus dem Überlaufbecken keine Fäkalien und Schadstoffe mehr austreten können. Sich mit rechtlichen Winkelzügen aus der Affäre ziehen zu wollen ist der Situation absolut unangemessen!“, ergänzt Hannah Oschmann, Mitglied der GJ Würzburg.

Mittelfristig muss darüber hinaus der oftmals stark begradigte Dammbach renaturiert werden, um neue Lebensräume für Tiere und Pflanzen zu schaffen.