Heute jährt sich der Anschlag von Halle zum ersten Mal. An Jom Kippur, dem höchsten jüdischen Feiertag, versuchte ein Rechtsterrorist, in einer Synagoge einen Massenmord an jüdischen Menschen zu begehen. Zwei Passant*innen wurden ermordet. Viele weitere Menschen wurden verletzt und traumatisiert. Wir erinnern an Jana L. und Kevin S. und wünschen Betroffenen und Angehörigen viel Kraft. Letzten Sonntag, an Sukkot, ist wieder ein jüdischer Student vor einer Synagoge in Hamburg aus antisemitischen Motiven niedergeschlagen und schwer verletzt worden.

Doch uns ist auch klar, dass Solidaritätsbekundungen nicht helfen, wenn Angehörige und Betroffene finanziell im Stich gelassen, nach einer kurzen Phase der Aufmerksamkeit vergessen werden – und wieder zur „Normalität“ zurückgekehrt wird. Denn diese „Normalität“ beinhaltet antisemitische, rassistische, sexistische, LGBTQIA*-feindliche und ableistische Hetze vor allem im Netz. Dazu kommen extrem rechte Strukturen in Sicherheitsbehörden, konstant hohe Straf- und Gewalttaten gegen jüdische Menschen und BIPoC, Beleidigungen und Attacken auf offener Straße. Seit 2017 sitzt eine Partei, die tief im extrem rechten Netz verwoben ist, im Bundestag und versucht beständig, den Diskurs durch kalkulierte Entgleisungen nach rechts zu verschieben.

Antisemitismus zieht sich strukturell durch die gesamte Gesellschaft. Daher müssen jüdische Menschen und Institutionen nicht nur physisch geschützt werden – was längst überfällig ist -, sondern Antisemitismus muss durch politische Bildung und die Stärkung von zivilgesellschaftlichen Initiativen wirksam bekämpft werden!