29. November 2025

Anreize statt Pflicht – GRÜNE JUGEND Würzburg lehnt Dienstpflicht ab



In unserer Mutterpartei wird das Thema “Dienstpflicht” und “Freiheitsjahr” schon seit mehreren Monaten kontrovers diskutiert. Nun wird dieses Thema in Hannover auf der Bundesdelegiertenkonferenz verhandelt. Auch wir als GRÜNE JUGEND Würzburg sind vertreten, und wir werden klar dagegen stimmen.

Im vorliegenden Antrag wird ein “Gesellschaftsjahr” für alle Menschen bis 28 Jahren gefordert. Die Verpflichteten dürfen sich zwischen der Bundeswehr, dem Bevölkerungsschutz oder einer “sozialen, ökologischen, kulturellen oder sportlichen Tätigkeit” entscheiden. Der Dienst soll mindestens 9 Monate dauern und kann aufgeteilt werden, um eine Vereinbarkeit mit Beruf, Studium oder Ausbildung zu gewährleisten.

Dieser Antrag greift jedoch völlig an der Realität vorbei: In den letzten Jahren, sei es in der Ampel oder der heutigen schwarz-roten Koaltion, wurde immer wieder darüber diskutiert, an den Freiwilligendiensten zu kürzen. Und jetzt? Jetzt sollen alle jungen Erwachsenen, die seit der Corona-Pandemie in einem Zustand der Dauerkrisen leben, in einem kaputtgesparten System den kleinen Tropfen auf dem heißen Stein spielen, bevor unser Sozialsystem und unser Gesundheitssystem zusammenbrechen? Nein Danke!

Wenn die Politik will, dass sich junge Menschen engagieren, egal ob bei der Bundeswehr, im Katastrophenschutz oder in sozialen Einrichtungen, dann muss die Politik auch das passende Angebot schaffen: Bessere Entlohnung während der Freiwilligendienste, Ausbau der Freiwilligendienst-Stellen, bessere Finanzierung der Träger und Einrichtungen, verpflichtende Praxisanleitungen, etc. Denn nur so lässt sich sicherstellen, dass jede Person, die will, auch einen Freiwilligendienst absolvieren kann.

Kai Frescher, Sprecher der GRÜNEN JUGEND Würzburg, hat im Jahrgang 2023/2024 selber ein FSJ absolviert. Er ist empört, dass eine solche Verpflichtungsdebatte innerhalb der Grünen Platz gefunden hat: “Es kann nicht sein, dass jungen Menschen, die einen Freiwilligendienst machen wollen, über Jahre Steine in den Weg gelegt werden, weil sie sich den Dienst finanziell nicht leisten können, die Arbeitsbedingungen schlecht sind oder weil es in der Nähe gar keine Stellen gibt und ein Umzug unmöglich wäre. Und jetzt sollen genau diese jungen Menschen zu einem Dienst verpflichtet werden, nur um die Löcher in unseren Systemen zu stopfen? Das ist absolut widersinnig!”

Mathilda Oechslein, Sprecher*in der GRÜNEN JUGEND Würzburg und derzeit auf der Bundesdeligiertenkonferenz in Hannover, zeigt sich ebenfalls mehr als irritiert über die Debatte: “Seit Jahren wird am Gesundheitswesen gespart und bei sozialen Einrichtungen gekürzt! Der Fachkräftemangel wird wahrgenommen, aber nichts aktiv dagegen gemacht! Überlastete Pflegekräfte und Erzieher*innen verlassen ihre Berufe! Und die Antwort der Politik, auch die unserer Mutterpartei, ist ein Pflichtjahr für junge Menschen?! Das ist keine Lösung, das ist ein politisches Ausweichen auf dem Rücken der jungen Generation! Statt echte Reformen in Bewegung zu bringen, sollen diejenigen einspringen, die sowieso schon am meisten Krisen tragen müssen und mussten.”

Für die GRÜNE JUGEND Würzburg ist klar: Wir brauchen Anreize und keine Verpflichtung. Statt einer Verpflichtungsdebatte bei BÜNDIS 90/die Grünen sollten wir lieber Debatten führen, wie wir eine generationengerechte und zukunftsfähige Gesellschaft gestalten. Deshalb fordern wir:

  • Kein “Gesellschaftsjahr”: Die Grünen müssen erkennen, dass ein verpflichtendes Gesellschaftsjahr keine Stärkung, sondern eine Belastung der jungen Generation ist.
  • Fachkräfte stärken: Wer wirklich eine resiliente Infrastruktur will, bekommt diese nicht durch 18-Jährige im Krankenhaus, bei der Bundeswehr oder im Kindergarten. Stattdessen müssen Debatten geführt werden über Möglichkeiten, mehr feste Stellen zu schaffen.
  • Strukturelle Verbesserungen in Freiwilligendiensten: Wer junge Menschen fördern will bei der Entscheidung, ein Jahr einen Dienst abzuleisten, muss für faire Vergütung, regelmäßige Praxisanleitungen und einen Ausbau der Stellen sorgen – nicht für symbolpolitische Dienstpflichten.

Junge Menschen verdienen Respekt und kein Pflichtprogramm! Wir als GRÜNE JUGEND Würzburg werden weiterhin Stellung gegen das “Gesellschaftsjahr” beziehen, egal wie die Entscheidung auf der BDK ausfällt!



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