7. Januar 2026

21 Jahre später: Oury Jallohs Tod ist kein Zufall, sondern Systemversagen!



Am 07. Januar 2005 verbrannte Oury Jalloh, ein Geflüchteter aus Sierra Leone, in einer Ausnüchterungszelle in Dessau. Er war an Füßen und Händen an eine Matratze gefesselt. Bis heute, 21 Jahre nach seinem Tod, wurde der Fall nicht ausreichend geklärt. Stattdessen erleben wir ein Zusammenspiel aus widersprüchlichen Ermittlungen, eingestellten Verfahren und einem Polizeisystem, das sich selbst schützt. Es ist heute noch unklar, wie Oury Jalloh genau starb, stattdessen wird beharrlich an einer Version festgehalten, die mehr Fragen aufwirft als sie beantwortet.

Offiziell soll sich Oury Jalloh selbst angezündet haben. Doch diese Darstellung ist mehr als fraglich, denn unabhängige Brandgutachten, forensische Analysen und Rekonstruktionen des Falles kommen zu dem Entschluss, dass ein Brand ohne Brandbeschleuniger unter den gegebenen Umständen kaum erklärbar sei. Besonders forensische Analysen zeigen auf, dass Oury Jalloh bereits vor dem Brand Verletzungen aufwies, die auf äußere Gewalteinwirkung hindeuten, und seine DNA-Spuren an dem Feuerzeug nicht zu finden sind. Trotzdem wurden die Ermittlungen immer wieder beendet, nicht weil alle Fragen geklärt waren, sondern weil sie offenbar nicht weiter gestellt werden sollten.

Der Fall Oury Jalloh ist kein Einzelfall. Er steht für ein strukturelles Problem: Wenn Polizei und Justiz sich selbst kontrollieren, bleibt Aufklärung oft auf der Strecke. Besonders wenn die Betroffenen BIPoC-Personen sind. Das ist kein individuelles Versagen einzelner Polizist*innen, sondern ein Systemproblem.

Mathilda Oechslein, Sprecher*in der GRÜNEN JUGEND Würzburg findet klare Worte für diesen Fall des Polizeiversagens: „Es kann nicht sein, dass auf jede Form von Polizeikritik reflexartige Empörung folgt, während der grausame Tod eines Menschen in Polizeigewahrsam bis heute nicht einmal ausreichend geklärt ist. Wer Rechtsstaatlichkeit ernst nimmt, darf nicht hinnehmen, dass ein Mensch in staatlichem Gewahrsam stirbt!“

Kai Frescher, Sprecher der GRÜNEN JUGEND Würzburg, ergänzt dazu: „Wenn ein Staat nicht einmal glaubwürdig aufklären kann, wie ein an eine feuerfeste Matratze gefesselter Mensch in einer Polizeizelle verbrennt, dann ist das kein Randproblem, sondern ein Rechtsstaatsversagen auf höchstem Niveau!“

Wir als GRÜNE JUGEND Würzburg fordern deshalb:

  • Die Wiederaufnahme der Ermittlungen im Fall Oury Jalloh.
  • Eine bundesweit einheitliche, externe Ermittlungsstelle für Rechtsbrüche in der Polizei. Egal ob bei Todesfällen in Polizeigewahrsam oder bei schwerer Gewalt auf Demonstrationen.
  • Konsequente Transparenz bei Ermittlungen gegen Polizeibeamt*innen.
  • Eine ehrliche und kritische Auseinandersetzung mit institutionellem Rassismus in der Justiz und den Sicherheitsbehörden.

Der Tod von Oury Jalloh ist nicht nur Vergangenheit. Er wirkt bis heute: In das Vertrauen von Menschen in Polizei, Justiz und Demokratie. Um dieses Vertrauen zurückgewinnen zu können muss der Staat hinschauen und Verantwortung übernehmen. Alles andere ist Schweigen. Und Schweigen schützt Täter, nicht die Demokratie.



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