18. März 2026

Honorarkürzungen für Psychotherapie: An psychischer Gesundheit darf nicht gespart werden!



Nach wochenlangen Verhandlungen haben Vertreter*innen der Krankenkassen und der kassenärztliche Bundesvereinigung beschlossen, die Honorare von Psychotherapeut*innen ab 1. April um 4,5% zu kürzen. Die Krankenkassen, die sogar eine Kürzung um bis zu 10% gefordert haben, begründen den Schritt mit dem überproportionalen Anstieg der Vergütung in den vergangenen Jahren sowie mit der Notwendigkeit von Einsparmaßnahmen.

Kritik an der Entscheidung kommt unter anderem von der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK). Trotz Anstiege gehören Psychotherapeut*innen immer noch zu den ärztlichen Fachgruppen mit vergleichsweise niedrigen Honoraren. Gleichzeitig steigen Praxis- und Lebenshaltungskosten inflationsbedingt weiter an. Letztendlich treffe diese Entscheidung nach Einschätzung von Fachverbänden aber vor allem Patient*innen, deren Bedarf nach psychologischer Gesundheitsversorgung in den letzten Jahren stark angestiegen ist.

Auch die GRÜNE JUGEND Würzburg kritisiert die geplanten Kürzungen scharf. „In Zeiten zunehmender psychischer Belastungen und eines wachsenden Bedarfs an psychotherapeutischer Versorgung sendet eine Kürzung der Finanzierung ein fatales Signal“, so Sprecher*in Mathilda Oechslein. „Einerseits wird eine Verringerung von Krankheitstagen gefordert, andererseits wird ausgerechnet an der psychischen Gesundheitsversorgung gespart.“

Für Psychotherapeut*innen bedeutet dieser Schritt jedoch mehr als eine einfache Einkommensminderung. Viele befürchten, künftig stärker auf Privat- und Selbstzahlende angewiesen zu sein, um so die Einnahmeverluste zu kompensieren. Für gesetzlich Versicherte könnte dies im Zweifel noch längere Wartezeiten auf einen Therapieplatz bedeuten.

Dabei müssen Betroffene schon heute häufig mehrere Monate bis zu einem Therapiebeginn warten. Grund dafür ist der Mangel an psychotherapeutischen Kassensitzen, also an Therapieplätzen, deren Leistungen über die gesetzlichen Krankenkassen abgerechnet werden können. Der Sozialverband VdK Deutschland schätzt, dass bundesweit etwa 7.000 zusätzliche Kassenplätze notwendig sind, um den gestiegenen Bedarf zu decken.

Für Betroffene stellen die langen Wartezeiten eine erhebliche Belastung dar. Bleiben psychische Erkrankungen über längere Zeit unbehandelt, können sich diese auf Dauer manifestieren und eine Behandlung erschweren. Je länger die Wartezeiten sind, desto höher ist das Risiko einer Chronifizierung und desto öfter und länger werden Fehlzeiten bis hin zur Arbeitsunfähigkeit.

Max Appelmann, politische Geschäftsführung der GRÜNEN JUGEND Würzburg und Psychologiestudent, warnt vor den sozialen Folgen der Entwicklung: „Die Kürzungen sind ein weiterer Schritt in Richtung Zwei-Klassen-System in unserem Gesundheitswesen. Wenn immer weniger Kassenplätze zur Verfügung stehen und gleichzeitig an der Vergütung gespart wird, trifft das vor allem Menschen mit geringem Einkommen. Psychische Gesundheit darf nicht vom Geldbeutel abhängen.“

Neben der aktuellen Honorardebatte stehen angehende Psychotherapeut*innen zudem vor weiteren strukturellen Herausforderungen. Mit der 2020 in Kraft getretenen Reform des Psychotherapeutengesetzes (PsychThG) wurde die Ausbildung grundlegend verändert. Demnach können Absolvent*innen eines fünfjähriges Bachelor- und Masterstudium nun direkt die Approbation erlangen. Um jedoch eigenständig als Fachpsychotherapeut*innen Patient*innen behandeln zu dürfen, müssen sie anschließend eine fünfjährige Weiterbildung absolvieren. Diese Weiterbildung soll, anders als zuvor, angemessen vergütet werden.

Allerdings wurde nie gesetzlich festgelegt, wer dieses Gehalt für die Weiterbildung zahlen soll, weshalb es kaum Weiterbildungsplätze nach dem neuen System gibt. Da inzwischen die ersten Absolvent*innen ihre Approbation nach der Reform erhalten haben, wächst der politische Druck nach einer tragfähigen Finanzierung. Ohne entsprechende Regelungen könnte damit langfristig die psychotherapeutische Versorgung nicht mehr sichergestellt werden.

Für die GRÜNE JUGEND Würzburg ist deshalb klar: die psychotherapeutische Gesundheitsversorgung in Deutschland braucht strukturelle Reformen. Es handelt sich um ein gesamtgesellschaftliches Problem und muss deshalb endlich von der Politik ernst genommen werden! Deshalb fordern wir:

  • die Rücknahme der geplanten Honorarkürzungen für psychotherapeutische Leistungen.
  • eine Anpassung der Anzahl an Kassensitzen an den tatsächlichen Bedarf.
  • eine gesicherte Finanzierung von Weiterbildungsplätzen für approbierte Psychotherapeut*innen.
  • einen erleichterten Zugang zu Psychotherapie, insbesondere für chronisch erkrankte Menschen.
  • ein Ende der Stigmatisierung psychischer Erkrankungen.

Psychische Erkrankungen betreffen Millionen Menschen in Deutschland. Eine leistungsfähige psychotherapeutische Versorgung ist daher kein nice to have, sondern essenziell für ein funktionierendes Gesundheitssystem!



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