Vergangenen Donnerstag, den 14.05.2020, hat laut Medienberichten die Polizei und die Stadt Würzburg Radfahrer*innen im Stadtgebiet kontrolliert. Dabei wurden Aufklärungsgespräche (z. B. bei Fahren ohne Helm) geführt und bei Verstößen gegen die StVO (z. B. bei Fahren auf Gehwegen) Bußgelder verhängt. Von der Polizei wurde Prävention und vor allem Sicherheit als das Motiv dieser Kontrollen genannt, zudem wurde auf jüngste Unfälle verwiesen.

Die Grüne Jugend Würzburg begrüßt, dass die Stadt Würzburg in Zusammenarbeit mit der Polizei die Sicherheit von Radfahrenden erhöhen möchte. Gleichzeitig kritisiert Miriam Zschau, Schatzmeisterin der GJ Würzburg, dass das Fehlverhalten von PKW-Fahrenden nicht in gleicher Weise mit solchen Aktionstagen geahndet wird: „Mit dem neuen Bußgeldkatalog traten zwar höhere Strafen etwa für Falschparken und Halten auf Schutzstreifen in Kraft, im Würzburger Stadtgebiet scheint sich dies aber noch nicht durchgesetzt zu haben. Man kann regelmäßig beobachten, wie PKW auch über längere Zeit auf Geh- und Radwegen parken und dadurch andere Menschen gefährden. So werden etwa ältere Menschen mit Rollatoren oder Eltern mit Kinderwagen genötigt, auf die Straße auszuweichen. Im Gegensatz zum Radfahren ohne Helm findet dadurch eine Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer*innen statt!“

„Wenn es bei den Kontrollen um die Sicherheit der Radfahrenden geht, warum werden dann nicht die PKW-Fahrerinnen daraufhin überprüft, ob sie die Höchstgeschwindigkeit einhalten oder beim Abbiegen einen Blick über die Schulter werfen?“, meint Hannah Oschmann, Mitglied der GJ Würzburg. „Etwa zwei Drittel aller Fahrradunfälle sind auf Kollisionen mit Autos zurückzuführen. Hier tragen in 75 Prozent der Fälle die KfZ-Fahrer*innen die Hauptschuld. Häufig werden Radfahrer*innen beim Rechtsabbiegen ganz einfach übersehen. Und auch die Polizei Unterfranken bezeichnet die Überschreitung der zulässigen Geschwindigkeit als Hauptunfallursache Nr. 1 bei den Verkehrsunfällen mit getöteten und schwerverletzten Personen. Der Bedarf nach entsprechenden Aktionstagen ist hier also sehr viel höher!“

Samuel Kuhn, Sprecher der GJ Würzburg, ergänzt: „Viele Radfahrer*innen sehen das Fahren auf dem Gehweg auch als letzte Möglichkeit, sich nicht selbst zu gefährden, denn die Alternative besteht häufig darin, auf teils stark befahrenen mehrspurigen Straßen fahren zu müssen. Ein Beispiel dafür ist die Stuttgarter Straße in Heidingsfeld: Radwege gibt es dort nicht. Der öffentliche Raum muss gerecht aufgeteilt werden, die Dominanz des Autos muss endlich beendet werden. Dazu braucht es ein durchgängiges Netz an geschützten und breiten Radwegen, v.a. für die Anbindung der Stadtteile und umliegenden Gemeinden an das Stadtzentrum. Die Innenstadt gehört autofrei. Grundsätzlich sollte für städtische Verkehrskonzepte gelten: Fahrrad und ÖPNV vor Auto!“