Am Sonntag, 11. September 2016, hielt die faschistische Kleinstpartei „Der Dritte Weg“, die Nachfolgeorganisation des zwischenzeitlich verbotenen Nazi-Netzwerkes „Freies Netz Süd“, eine Kundgebung in der Würzburger Innenstadt ab. Dagegen formierte sich ein Protest von ca. 200 bis 250 Menschen.

Widerwärtige Inszenierung


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Die Nazis vom „Dritten Weg“ hatten für ihre Kundgebung eine groteske Szenerie aufgebaut: auf einem Strohballen saßen bzw. lagen zwei Frauen, die sich leidend gaben. Daneben saß auf einem Stuhl ein Mann, der sich komplett mit Kohle angemalt hatte und somit wohl einen Geflüchteten darstellen sollte. Dazu hielten zwei Nazis ein Banner mit der Aufschrift „Im Gedenken an unsere Heimatvertriebenen“ und einer Karte von Deutschland in den Grenzen von 1914. Abgesehen vom rassistischen und volksverhetztenden „Blackfacing“ war der Sinn hinter der Inszenierung beim besten Willen nicht zu erkennen. Es sollte wohl kundgetan werden, dass „wegen der bösen Geflüchteten die Deutschen leiden müssen“; aber was „unsere Heimatvertriebenen“ mit der Sache zu tun haben sollten, blieb vollständig schleierhaft. Insgesamt dauerte die widerliche, rassistische und geschichtsrevisionistische Kundgebung der Nazis eine Stunde.


Lautstarker Gegenprotest


Nachdem unter anderem die GRÜNE JUGEND Würzburg zu Gegenprotesten aufgerufen hatte, sammelten sich 200 – 250 Menschen an den Gittern des abgezäunten Kundgebungsortes der Nazis. Mit Parolen, Trommeln, lauter Musik und auch einigen Reden wurde den Nazis unmissverständlich klar gemacht, dass in Würzburg kein Platz für sie und ihre menschenverachtende Hetze ist. Vom nebenher laufenden Straßenmusikfestival kamen auch immer wieder Passant*innen an beiden Veranstaltungen vorbei und äußerten ihren Unmut über die dargebotene Nazi-Hetze.


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Fazit: den Nazis erfolgreich die Stirn geboten

Insgesamt kann ein positives Fazit gezogen werden. Von den Hasstiraden der Nazis war über die Gitter hinaus nichts zu verstehen und die Besucher*innen des StraMus wurden nicht weiter belästigt. Zudem hat Würzburg zum wiederholten Male gezeigt, dass auch mit nur kurzfristiger Mobilisierung viele Menschen gegen Faschismus auf die Straße zu bekommen sind. Einziger Wermutstropfen war die Polizei, der ein angedeuteter Hitlergruß eines Nazis egal war und die Gegendemonstrant*innen wegen zu hoch gehaltener Transparente anmotzte, anstatt sich um den de facto vermummten „Schauspieler“ aufseiten der Nazis zu kümmern.

Vielen Dank an Giuseppe Arena für das Foto von den Gegendemonstrant*innen!